Grundlagentext: Jugendbeteiligung

Pfarrgemeinderatswahl Sujet

Was meint Beteiligung in der Pfarre?

Beteiligung („Partizipation“) meint, dass Menschen an Entscheidungen und ihrer Umsetzung mitwirken, die sie alltäglich im eigenen Lebensumfeld betreffen. Das kann z.B. in der Wohnumgebung, in der Gemeinde, am Arbeitsplatz, in Vereinen, in der Schule sein. Oder eben in der Pfarre.

Dass viele bei der PGR-Wahl mitmachen ist nicht das Ziel von Beteiligung.

Beteiligung zielt ganz umfassend darauf, dass möglichst viele an der Pfarre im Gesamten teilhaben. Und das kann ganz unterschiedlich ausschauen. Eine etablierte Möglichkeit der Beteiligung ist der PGR (und seine Wahl). Er macht Mitsprache möglich. So wie er gerade ist, entspricht er vielen Jugendlichen aber nicht. Trotzdem haben auch sie das Recht, mitzuentscheiden und die Pfarre mitzugestalten – im PGR, bei der Wahl und darüber hinaus!

Jugendliche müssen sich nicht nur beteiligen. Sie müssen auch beteiligt werden.

Dazu braucht es den Einsatz der „Etablierten“. Die ganze Pfarre ist herausgefordert, möglich zu machen, dass sich Jugendliche (auf unterschiedlichste Weise) beteiligen. Wichtig ist dabei, „Beteiligung“ nicht einfach mit „Mitmachen“ gleichzusetzen. Denn das heißt oft: Jugendliche sollen und dürfen mittun, aber doch nur solange es dem entspricht, wie wir ohnehin schon beten und Gottesdienst feiern, wie wir PGR-Sitzungen abhalten und wie wir uns sozial engagieren, wie wir lustig sind und Party machen.

Beteiligung ist mehr als Sich-Engagieren. Es ist die Art und Weise, wie wir gemeinsam Kirche sind.

Kirche/Pfarre lebt aus Sich-Beteiligen und Beteiligt-Werden. Wer Beteiligung fördert will, dass möglichst viele Menschen mit ihren Wünschen, Meinungen und Vorstellungen in der Pfarre Platz haben und sie dadurch verändern. Beteiligung setzt seitens der Pfarrmitglieder und -verantwortlichen also eine offene, mutige Haltung voraus. Ja, ich will Unterschiedlichkeit zulassen. Ja, mein Pfarrbild darf auch mal auf den Kopf gestellt werden (keine Vision von Pfarre lässt sich einfach übertragen). Ja, ich bin neugierig auf das, was andere einbringen.

Partizipation/Beteiligung braucht auch das Abgeben von Macht!

Klar: Machtpositionen zugunsten anderer ein Stück weit aufzugeben ist keine leichte Sache. Aber damit Pfarre aus der Beteiligung von vielen lebt, darf und muss Verantwortung geteilt werden. Im Spannungsfeld von Engagement und dem Abgeben von Macht findet Partizipation statt und leben wir gemeinsam Kirche. Durch dieses Spannungsfeld bleibt die Pfarre aber auch lebendig und vital.

Beteiligung möglich machen – aber wie?

Es gibt es viele Möglichkeiten, Jugendliche in der Pfarre zu beteiligen – ein Patentrezept freilich nicht. Es braucht orts- und bedarfsangepasste Methoden (PGR-Wahl, Jugendparlamente, ungezwungene Jugendtreffen,…) , wie die Entscheidungen und deren Umsetzungen partizipativ gestaltet werden können. www.jugendgehtunsan.at liefert einige Grundlagen, z.B. die Stufen der Beteiligung (siehe unten), den Workshop „Jugendliche in der Pfarre beteiligen?! und andere Materialien. Bis nächstes Jahr liegt der Schwerpunkt natürlich auf der PGR-Wahl 2017.

Warum ist Beteiligung von jungen Menschen aus Sicht der Pfarre sinnvoll und wichtig

  • Beteiligung schafft Identifikation und stärkt die Verantwortung bei Jugendlichen
  • Die Angebote und Projekte entsprechen mehr ihren Bedürfnissen und Interessen
  • Die „kollektive Intelligenz“ der Pfarrgemeinde vergrößert sich, wenn möglichst unterschiedliche Gruppen beteiligt werden. Dadurch werden Entscheidungen besser und neue Möglichkeiten eröffnen sich
  • Jugendliche lernen ihre Fähigkeiten kennen und einsetzen (Persönlichkeitsentwicklung)
  • Mitbestimmung fördert die Auseinandersetzung mit moralischen Fragen und dadurch die moralische Urteilsfähigkeit
  • Jugendliche bringen oftmals neue Perspektiven, innovative Ideen, andere Herangehensweisen und einen frischen Wind

Stufen der Beteiligung

Es gibt unterschiedliche Grade und Intensitäten von Partizipation. Diese können in Stufen der Beteiligung dargestellt werden. Weitere Infos gibt es auf der Homepage des Demokratiezentrums: http://www.demokratiezentrum.org/themen/wien/partizipation/partizipation.html
Download – Grundlagentext: Jugendbeteiligung